Zugriffsrechte regelmäßig prüfen: Warum Rezertifizierung kein „Nice-to-have“ ist
Kennst Du das? Eine Kollegin wechselt von der Buchhaltung in den Vertrieb – und kann plötzlich immer noch auf alle Finanzdaten zugreifen. Oder ein Mitarbeiter verlässt das Unternehmen, aber seine Accounts bleiben aktiv. Solche Situationen sind alltäglich und schaffen ernsthafte Sicherheitsrisiken.
Das Problem liegt näher, als gedacht
Wer weiß eigentlich genau, welche Zugriffsrechte die Mitarbeiter:innen haben? In vielen Unternehmen herrscht hier betretenes Schweigen. Dabei sammeln sich Berechtigungen wie Staub in der Ecke – immer mehr wird hinzugefügt, aber selten wird aufgeräumt.
Expertinnen und Experten nennen das „Privilege Creep“, und es ist gefährlicher, als es klingt. Angreifer:innen kapern einen Account mit viel zu vielen Rechten und haben plötzlich Zugang zu Bereichen, die der eigentliche Nutzer längst nicht mehr braucht.
Rezertifizierung – das systematische Aufräumen
Rezertifizierung bedeutet im Grunde nichts anderes, als regelmäßig zu fragen: „Wird das wirklich noch benötigt?“ Es geht darum, systematisch zu prüfen, wer auf was zugreift – und vor allem, ob das noch Sinn ergibt.
Es hört sich nach zusätzlicher Arbeit an, aber die Alternative ist teurer: Lieber jetzt strukturiert Zeit investieren, als später mit den Konsequenzen von Sicherheitsverletzungen leben zu müssen.
Die Cloud macht alles komplexer
Früher war es schon herausfordernd genug, den Überblick zu behalten. Aber heute? Mit Microsoft 365, Google Workspace, AWS und anderen Cloud-Diensten wird es zur echten Mammutaufgabe. Daten wandern zwischen Systemen hin und her, werden geteilt und wieder geteilt – oft ohne dass jemand den Überblick hat.

Wer trägt die Verantwortung?
Die IT-Abteilung kann nicht alles allein stemmen. Sie weiß nämlich gar nicht, welche Rechte tatsächlich benötigt werden. Das wissen nur die Fachabteilungen selbst.
Die Erfahrung zeigt: Am besten funktioniert es, wenn klare Rollen definiert sind. Abteilungsleiter:innen werden zu „Dateneigentümer:innen“ und entscheiden, wer welche Zugriffsrechte benötigt. Das bedeutet zwar mehr Verantwortung, aber diese haben sie faktisch bereits.
Wie funktioniert modernes Zugriffsmanagement?
Ein professioneller Rezertifizierungsprozess muss nicht kompliziert sein:
Zunächst werden die kritischen Bereiche identifiziert – dort, wo Sicherheitsverletzungen besonders schwerwiegende Folgen hätten. Dann werden automatische Erinnerungen eingerichtet, damit niemand vergisst, die Rechte zu überprüfen.
Das Wichtigste: Der Prozess muss einfach sein. Niemand hat Zeit für komplizierte Formulare. Wenige Klicks sollten ausreichen, um zu bestätigen oder zu entziehen.
Besonders effizient wird es, wenn das System automatisch erkennt, dass jemand gekündigt oder die Abteilung gewechselt hat. Dann können die entsprechenden Rechte sofort angepasst werden.
Fazit: Strategische Notwendigkeit, nicht nur Compliance
Jeder überflüssige Zugriff ist wie eine offene Tür im Unternehmen. Du würdest auch nicht alle Türen offen lassen, nur weil es bequemer erscheint.
Rezertifizierung ist keine lästige Pflicht, sondern strategisch sinnvolles Risikomanagement. Unternehmen müssen sie als das sehen, was sie ist: einen unverzichtbaren Baustein der IT-Sicherheit.


